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Voice Cream aus Tübingen auf einer Konzertreise im Raum Trier. (Foto: VoiceCream)

CHÖRE DES BWSB: Voice Cream aus Tübingen auf einer Konzertreise im Raum Trier. (Foto: VoiceCream)

Zur Geschichte des bwsb

Im Oktober 2005 hat der Baden-Württembergische Sängerbund sein sechzigjähriges Bestehen gefeiert. Bei der Festveranstaltung in Stuttgart-Vaihingen hielt der 2. Vorsitzende Rainer Klüting eine Ansprache, in der er einen Überblick über die Geschichte des Sängerbunds gab.

Die Anfänge

60 Jahre Baden-Württembergischer Sängerbund und 60 Jahre Kriegsende, das heißt für uns: 60 Jahre Gesang im Geiste des Friedens. 60 Jahre Baden-Württembergischer Sängerbund und 60 Jahre Frieden in Deutschland – das können wir deswegen beides in einem Fest zusammen feiern, weil der Vorläufer des Baden-Württembergischen Sängerbundes, der Württembergische Sängerbund, schon kurz nach Kriegsende wieder gegründet werden durfte. Die Erlaubnis bekamen Menschen, die sich in der Nazizeit politisch nicht diskreditiert hatten. Im Gegenteil.

Bis 1933 waren Arbeitergesangvereine und die, wie man sagt, bürgerlichen Gesangvereine in getrennten Bünden organisiert gewesen. Den Deutschen Arbeiter-Sängerbund, kurz DAS, haben die Nationalsozialisten 1933 verboten, seine Mitglieder haben sie verfolgt. Das galt auch für den Gau Württemberg des DAS, den wir als den Vorläufer des Baden-Württembergischen Sängerbunds betrachten.

Die Nazizeit überlebt hatte der konkurrierende Deutsche Sängerbund, und zwar nicht zu seinem Ruhme. Von einem Versagen des Bundes hat selbst Heinz Eyrich gesprochen, der langjährige Präsident des Deutschen Sängerbundes, als er im Mai 2005 aus seinem Amt verabschiedet worden ist. Heinz Eyrich ist hier im Lande gut bekannt, denn er war viele Jahre lang Minister in Baden-Württemberg.

Diese Vorgeschichte von Verbot und Anpassung war der Grund dafür, dass 1945 der Deutsche Sängerbund vom Alliierten Kontrollrat als eine der Zwangs- und Gleichschaltungsorganisationen der Nazis verboten wurde, während im gleichen Jahr hier im Lande die Gründung des Württembergischen Sängerbundes genehmigt wurde.

Eine kurze Zeit lang hatten also nur die Arbeitergesangvereine eine Verbandsorganisation. Vielleicht war es diese Zwangslage, vielleicht aber auch echte Einsicht – jedenfalls bezeugten Sänger aus beiden Gesangstraditionen in dieser Stunde Null die Einigkeit, einen Neuanfang versuchen zu wollen, und zwar gemeinsam, ohne die alten Rivalitäten.

Am 13. Juli 1945 trafen sich Vertreter beider Gruppen. Gemeinsam gründete man den Württembergischen Sängerbund. Am 17. März des Folgejahres fand im Großen Haus in Stuttgart ein Gründungskonzert statt. Doch der frisch geschlossene Bund war brüchig. Es gab Spannungen. Vertreter der Arbeitergesangvereine klagten, die neuen Partner versuchten, den Bund zu dominieren.

Wie auch immer die Geschichte im Einzelnen gelaufen sein mag, 1948 war Schluss. Der Schwäbische Sängerbund wurde wiedergegründet, und seine ehemaligen Mitgliedsvereine verließen in Scharen den gemeinsamen Bund. Jahre später, nämlich 1966, benannte sich der Württembergische Sängerbund um in Baden-Württembergischer Sängerbund.

So viel zu den Anfängen vor 60 Jahren. Man sieht, so eindeutig ist das Datum des Anfangs nicht, und eigentlich gehen die Wurzeln viel weiter in die Vergangenheit zurück als 60 Jahre.

Eine kulturelle Massenbewegung

In den 60 Jahren seitdem hat die Bewegung der Laienchöre in Deutschland einen ungeheueren Aufschwung erlebt, und man hat fruchtbare Formen der Kooperation gefunden, wie zum Beispiel hier im Lande die Zusammenarbeit aller Sängerbunde bei den Landesmusikfestivals.

Auf Bundesebene waren die beiden Dachverbände wiedergegründet worden, der Deutsche Sängerbund und der DAS, der jetzt aber nicht mehr Deutscher Arbeiter-Sängerbund heißt, sondern Deutscher Allgemeiner Sängerbund. Seit dem Frühjahr 2005 ist auch das Geschichte. Die beiden Verbände haben sich zusammengeschlossen zu einem neuen Verband mit dem Namen Deutscher Chorverband.

Der neu gegründete Deutsche Chorverband gibt ein eindrucksvolles Zeugnis davon, wie lebendig der Chorgesang in Deutschland ist. Auch wenn es sich in den Medien für unsere Begriffe leider zu selten widerspiegelt: das Singen im Chor ist eine kulturelle Massenbewegung in Deutschland. Sie bringt Tausende von Menschen der Musik näher, sie ist für viele Jugendliche neben der Schule überhaupt die erste Begegnung mit dem aktiven Musikmachen, und vielleicht ist sie die Wurzel, aus der Teile der professionellen Musik überhaupt erst hervorgehen.

Es gibt sogar Studien, in denen behauptet wird, das Singen fördere die Intelligenz, und Menschen, die musizierten, seien gesünder als andere. Das möchten wir Sänger natürlich nur allzu gerne glauben. Aber ich bekenne, dass ich solchen Studien mit einer gehörigen Portion Misstrauen begegne. Die Ursachen dafür, dass jemand gesund und intelligent ist, sind mit Sicherheit komplexer, als solche Studien wiedergeben können.

Im Verein gesungen wird jedenfalls in Deutschland mehr als anderswo in der Welt. Der bundesweite Deutsche Chorverband ist der größte Verband von Laienchören auf der Welt. Zu ihm gehören 26 000 Chöre mit 750 000 aktiven Sängerinnen und Sängern. Zusammen mit den passiven Mitgliedern, die jeder Verband hat, sind im Deutschen Chorverband 1,85 Millionen Menschen organisiert.

Allein in Baden-Württemberg gibt es weit mehr als 3200 Gesangvereine mit mehr als 150 000 aktiven Mitgliedern in den drei Sängerbünden, dem Schwäbischen Sängerbund, dem Badischen Sängerbund und in unserem Verband, dem kleinsten, dem Baden-Württembergischen Sängerbund.

Für einen großen Teil dieser Menschen sind die historischen Verwicklungen und Streitigkeiten ferne Vergangenheit. Dennoch hat jeder Verband seine eigene Tradition und sein eigenes musikalisches und gesellschaftspolitisches Profil, das die Mitgliedsvereine in ihm auch suchen und an ihm schätzen. Erst im Zugehörigkeitsgefühl der einzelnen Vereine und ihrer Mitglieder zu einem Verband entwickelt sich das, was den Verband stark macht: das Engagement der Menschen für gemeinsame Aktionen.

Stand: 09.11.2015 Seitenanfang